naja, sozusagen. Oder: wie ich statt in Viersen im Krankenhaus landete

Um es vorweg zu nehmen: so dramatisch, wie die Überschrift es andeutet, war es nicht. Aber der Reihe nach. 


Vorbereitung: wie es dazu kam, und warum ich unbedingt eine Rote Karte wollte

Das erste Vorbereitungsseminar für meinen Freiwilligendienst war Anfang Juli im nordrhein-westfälischen Viersen geplant. 

Leider genau zu gleichzeitig mit unserer Abifahrt.  Die zu dem Zeitpunkt schon gebucht und bezahlt war.  Wunderbar, oder? 🥳 😑

Also habe ich als Ersatz gerade (jetzt ist es Mitte August) ein Praktikum im DRK-Krankenhaus Mitte gemacht. 

Die Vorbereitung war etwas stressig: da ich alles relativ kurzfristig (heißt, zwei, drei Monate vorher, was sehr kurzfristig für Praktika ist) organisieren musste, habe ich erst einmal einige Absagen bekommen- dann aber zum Glück doch noch diese eine Zusage. 

Darüber habe ich mich sehr gefreut, auch, weil ich schon immer einmal ein Praktikum im Krankenhaus absolvieren wollte und nicht vollkommen unvorbereitet beim Mexikanischen Roten Kreuz auftauchen wollte. 

Einen kleinen Schock gab es dann doch noch: ich brauchte noch eine “rote Karte”, was eine Bescheinigung vom Gesundheitsministerium ist, eine Schulung zum Thema Lebensmittelsicherheit absolviert zu haben. 

… die man eigentlich nur vor Ort, in Berlin, in einem Gesundheitsamt beantragen kann. Was mir in unserem Urlaub in Schweden aufgefallen ist. Aus dem wir erst am Sonntag vor Praktikumsbeginn zurück gekommen sind. 

Dachte ich zumindest. 

Ich hab dann doch noch rausgefunden das man sie auch online beantragen kann. 

Alle online-Dienste verlangen übrigens dafür zwischen 25 und 28 €.  Außer eine Website, die es für 12,80 € anbot. 

Sah dafür aber ein bisschen scammy aus…

Nach ein bisschen online- stalking (oder nennen wir es: Recherche) habe ich mich aber entschieden, dass sie legit genug ist, das Risiko einzugehen. Und es hat actually funktioniert, jetzt besitze ich eine “Rote Karte”.

Meine Rote Karte- oder zumindest ein Ausschnitt davon- tatsächlich nicht rot. Also, so gar nicht.

(Falls jemand von euch je in der selben Situation ist: hier ist der Link zur Website: )

Aber nun zum eigentlichen Praktikum 


Der erste Tag

Am Montag war es sehr entspannt, dass ich “erst” 08:30 ankommen musste.

EINFÜGEN: BILD KRANKENHAUS VON AUßEN

Nach dem Unterschreiben von Praktikumsvertrag und Datenschutzbelehrung sowie einer ausführlichen Hygieneeinweisung (ich weiß jetzt z. B., dass Einmalhandschuhe nur dem Eigenschutz, nicht dem Patientenschutz dienen- und nicht alle vollkommen dicht sind) ging es in die Wäscherei, um meine Arbeitsbekleidung abzuholen. 

Diese bestand aus einem dunkelblauen „T-Shirt“ (Kasak genannt) und einer weißen Stoffhose- leider habe ich erst am letzten Tag herausgefunden, dass es bei den Kasaks nicht nur die Größe 00, sondern auch die Größe 000 gibt. Ich bin also 80% der Zeit in einem maßlos zu großem Kasak herumgelaufen 😅😂. Upsi.

Dann bin ich zu meiner Station geführt wurden: Station 2 (ihr habt es erraten: sie lag im 2. Stock). Die Station war der allgemeinen Chirugie gewidmet war, es gab hier aber auch sehr viele Patienten aus dem Bereich der Gastroentrologie (das heißt, alles, was mit Magen und Darm zu tun hat). 

Am ersten Tag habe ich noch nicht so viele Aufgaben bekommen und so erst einmal generell die Krankenhausatmosphäre kennengelernt und mich ein wenig mit Patienten unterhalten. 


Der Arbeitsalltag: die Übergabe

Ab dem zweiten Tag ging es dann so richtig los.  Ich hatte Frühdienst, was bedeutete, dass meine Schicht 06:45 Uhr anfing- ich musste also jeden Tag 05:30 Uhr aufzustehen- das war schon hart, vor allem, nachdem ich mir in den Ferien angewöhnt hatte, bis 10 Uhr zu schlafen 😅

Rückblickend würde ich aber sagen, dass es das trotzdem definitiv wert war. 

Aber zurück zum Arbeitsablauf: jede Schicht beginnt mit der Übergabe. Hier weist einen das Personal der Nachtschicht über die aktuellen Patienten der Station ein- es wird erzählt, welche neuen Patienten gekommen sind, wie es den alten geht, ob Operationen geplant sind und alles weitere, was irgendwie beachtet werden muss. Kurz nach sieben übernimmt dann die Frühschicht und das Personal der Nachtschicht kann in den wohlverdienten Feierabend (oder Feiertag?) gehen.


Der Arbeitsalltag: die Morgenrunde

Normalerweise fängt die Pflege mit der Morgenrunde an. Das bedeutet, durch alle Zimmer zu gehen, und bei jedem Patienten Blutdruck, Sauerstoffsättigung, Puls und Temperatur zu messen, um zu oberflächlich zu prüfen, ob alles in Ordnung ist. Das war oft meine Aufgabe- zum Glück für mich gab es ein Gerät, das sehr einfach zu bedienen war und automatisch die ersten drei Werte gemessen hat (habe ich trotzdem erst einen Fehler gemacht, vergessen, die Fingermanschette anzulegen und mich gewundert, warum nichts gemessen wurde? Ja, natürlich. Aaaaber ich habe es noch gelernt)

EINFÜGEN: BILD VITALZEICHENMESSGERÄT

Diese ganzen Werte haben wir natürlich dokumentiert (und dabei gelernt, wie nervig das Programm für die Patientenverwaltung ist, vor allem, wenn man sich nicht gut damit auskennt).

Zusätzlich teilt man bei der Morgenrunde die Morgenmedikation der Patienten aus und fragt sie (natürlich! 😅), wie sie sich fühlen. Da wir die Gastroentrologie- Station waren, gehörte auch die Frage “Wann hatten Sie das letzte Mal Stuhlgang und wie sah dieser aus?” zum Standartrepertoire des Fragenkatalogs.


Der Arbeitsalltag: nach der Morgenrunde

Nach der Morgenrunde wurde sich um alles andere gekümmert. Dazu gehören das Neubeziehen von Betten (mit und ohne Patienten, die gerade drinnen liegen) sowie Hilfe beim Waschen (je nach Mobilität des Patienten bis hin zum kompletten Waschen). Beides habe ich oft gemacht, so dass ich am Ende zumindest hier “Profi” war 😅 (naja… oder zumindest geschickter als am Anfang.

EINFÜGEN: BILD KRANKENHAUSBETT?

Ein wichtiger Teil meiner Tätigkeit war auch das Reagieren auf die Patientenklingel- jede und jeder Patient hatte eine davon in Reichweite an seinem Bett, die er oder sie betätigen konnte, wenn Hilfsbedarf bestand. Das führte dann immer dazu, dass ein rotes Licht über dem entsprechenden Raum anging und eine Klingel ertönte- woraufhin einer der Pfleger_innen reagierte und hinging.

Oft konnte ich helfen, wenn es um so etwas ging wie “mein Handy liegt auf dem Nachttisch und ich komme nicht ran”- oft musste ich aber auch “ich hole die Schwester, die sich wirklich auskennt” antworten.

Kurz vor Ende der Schicht haben wir nochmal eine Runde durch alle Zimmer gedreht, und schließlich ging es kurz nach 15:00 Uhr nach der Übergabe für die Spätschicht nach Hause.


Was ich gelernt habe und mitnehme

Grundsätzlich war es eine sehr interessante und intensive Erfahrung, die meine Perspektive nachhaltig verändert hat. 

Nicht nur, dass ich jetzt intuitiv nach dem Handdesinfektionsmittel gucke, wenn ich einen Raum verlasse, sondern so viel mehr.  Ich habe so viele unterschiedliche, tolle und interessante Menschen kennengelernt und gemerkt, in wie vielen unterschiedlichen Wirklichkeiten wir alle leben.  Aber ich habe auch gelernt, was für eine anstrengende Arbeit die Pflege ist, und was für ein Glück es ist, gesund zu sein!

Es war anstrengend, ja, und ich habe mich zugegebenermaßen sehr über das frühe Aufstehen geärgert, aber ich würde so ein Praktikum trotzdem ohne zu zögern weiterempfehlen- einfach, weil man so viel lernt!

Und an dieser Stelle noch einmal: vielen Dank an alle, die mich in dieser Woche mitgenommen haben, geduldig mit mir waren und mich haben lernen lassen- egal ob Patienten oder Schwestern!

…Ich würde euch gerne noch so viel mehr und alles genauer erzählen, aber natürlich steht Datenschutz an erster Stelle 😅! (Ja, ich habe dazu einen Vertrag unterschrieben) Deswegen ist hier leider alles ein bisschen unkonkret- ich hoffe ihr könnt mir verzeihen 😅!