Über den Herrscher des Universums, das Zentrum des Universums und über Totentiere

Wir wurden von der deutschen Botschaft zu einem Sicherheitstraining in Mexiko- Stadt eingeladen.  Da das am Freitag war, haben wir (also alle Freiwilligen des Roten Kreuzes außer Knut- der musste arbeiten) beschlossen, einfach noch das Wochenende dranzuhängen.  Zusammen haben wir ein großes AirBnB mehr oder weniger in der Nähe des Zentrums gemietet und die Stadt erkundet.  Erste Eindrücke der Stadt aus dem Busfenster- viel Grün, viel Verkehr und viele Hochäuser. Das fasst es eigentlich ganz gut zusammen 😅

Hier ein Auszug aus den Highlights :) 


Die deutsche Botschaft 

Okay, ob das ein Highlight war ist questionable. Also, die Tacos, die es dort gab auf jeden Fall. 

Der Vollständigkeit halber wird sie hier aber natürlich trotzdem erwähnt. Und auch sonst war es sehr interessant, das Gebäude und die Menschen, die dort arbeiten näher kennen zu lernen. 

Es gab Reden von der deutschen Botschafterin und von allen Leitern der jeweiligen Fachbereiche, in der sie sich kurz vorgestellt haben, ihre Aufgaben erklärten und kurz auf die Freiwilligendienste und weltwärts eingegangen sind. 

Wusstet ihr, dass man die Botschaft anrufen kann, falls man im Ausland verhaftet wird und Hilfe benötigt? Natürlich können die einen auch nicht aus jeder Situation retten, aber es gibt zumindest für Mexiko eine 24-Stunden-Hotline.

Die Ratschläge vom Sicherheitstraining lassen sich mit „benutzt euren gesunden Menschenverstand, informiert euch vorher welche Gegenden man meiden sollte und gebt bei einem Überfall eure Wertsachen wiederstandslos ab“ zusammenfassen. 

Alle sehr sinnvoll, ohne Frage, aber auch nicht wirklich neu für uns. 

Schön war es trotzdem, vor allem weil deutsche Freiwillige aus ganz Mexiko da waren und wir uns untereinander ein bisschen kennen lernen konnten.  Hier ein Foto aus dem Internet der deutschen Botschaft, da wir leider am Eingang ALLE unsere Sachen, auch die Handys, abgeben mussten. 

Das hat tatsächlich dazu geführt, dass wir wieder altmodisch Nummern auf Papier geschrieben ausgetauscht haben. 


Desfile de Alebrijes

Ein Ausschnitt aus der Parade der Alebrijes

Dieser Umzug von Alebrijes fand Samstag Mittag vom Zócalo ausgehend statt. Alebrijes, das sind im klassischen Sinne bunte Fantasietiere aus Pappmaché, die oft mit dem Día de los Muertos in Verbindung gebracht werden. Sie wurden aber tatsächlich erst 1936 von einem mexikanischen Künstler erfunden- sind also keine jahrhundertealte Tradition.

Heute gibt es auch oft Holzfiguren im selben Stil zu kaufen- auch diese werden Alebrijes genannt.

Der Umzug selber wird von einem Museum organisiert und findet jedes Jahr statt- und wir hatten das Glück, dabei sein zu können!

Unzählige riesige, bunte Pappmachéfiguren wurden vom Zócalo aus durch die Stadt gezogen, eine fantastischer als die Andere- seht selbst!

Zwei besonders tolle Alebrijes- im Hintergrund sieht man übrigens die Kahedrale

Wir konnten uns an diesem farbenfrohen Wundern gar nicht sattsehen! (Was aber auch daran lag, dass oft zu viele Leute vor uns standen… 😅) Paulina und ich, wie wir versuchen, einen besseren Blick auf die Figuren zu erhaschen


Essen und Märkte

Dieser Abschnitt darf einfach nicht fehlen wenn es um Mexiko-Stadt geht.

Es kann passieren, dass man das Gefühl bekommt, die gesamte Stadt sei ein riesiger Markt. Das ist schön, spannend und ungewöhnlich für Deutsche, und nur in dem Moment nervig, in dem man nur noch dreißig Minuten für eine dreißigminüitige Strecke hat, um den Bus zurück nach Puebla zu erwischen… (an dieser Stelle noch einmal Entschuldigung an all die Leute, die wir fast umgerannt haben… 😬 😅) Ein Perlenstand- vor dem haben wir sehr lange gestanden und -während die Standinhabern neue Meisterwerke anfertigte- überlegt, ob wir etwas kaufen wollen. Vor allem die Haarspangen hatten es uns angetan. Diese Stände, die von außergewöhnlicher Kunstfertigkeit zeigen, gibt es in Mexiko generell und in Mexiko City im besonderen sehr häufig.

Auf dem Markt beim Zócalo gab es darüber hinaus etwas sehr besonderes- die Limpieza, zu deutsch “Reinigung”.

Hier bieten Menschen in indigenen Kleidungen spirituelle Reinigungen an, soweit ich das verstanden habe. Zwei dieser Menschen- es war so interessant, ihnen zuzugucken!

Da wir kurz vor dem Día de los Muertos in Mexiko-Stadt waren, gab es in den Bäckereien überall “Pan de Muertos”, ein besonderes, süßes Brot zum Día de los Muertos, zu kaufen. Verschiedene Sorten vom Pan de Muertos in einer Bäckerei- sehr lecker!!

Die Tacos, die ich vor dem Besuch des Angels de la Independencia gegessen habe. Fragt mich nicht, warum da Pommer drauf sind. Ich weiß es nicht.


Angel de la Independencia

Ein goldener Engel mit einem Loorberkranz in der Hand, auf einer Säule, die in einem Kreisverkehr steht: dieses Denkmal erwähne ich, weil es mich unglaublich an die Siegessäule erinnert hat. Der Angel de la Independencia- sieht doch wirklich aus wie die Siegessäule, oder sehe ich einfach überall unterbewusst Berlin?

Obwohl der “Angel de la Independencia” (Engel der Unabhängigkeit) älter aussieht (finde ich) wurde er tatsächlich erst 1910 erbaut, um an das hundertjährige Jubiläum des Beginns des mexikanischen Unabhängigkeitskriegs zu erinnern.

Heutzutage ist hier auch ein Mausoleum für die wichtigsten Kriegshelden- das weiß ich allerdings nur durch Internetrecherche. Wenn man sich nur die Statue anschaut, sieht man herzlich wenig von toten Kriegern.

Das kann ich aus Erfahrung sagen- wir sind kurz am Samstag nach einem Taco-Essen vorbeispaziert. Es war zwar schon dunkel und tatsächlich auch kalt (ja, auch in Mexiko kann es kalt werden- besonders wenn man nur eine Fleecejacke anhat), aber die Beleuchtung war definitiv cool. 

Besonders beeindruckend war auch die riesige Catrina vor dem Angel de la Independencia.  Soweit ich das verstanden habe sind Catrinas Skelett-Statuen (meistens beeindruckend riesig), die für den Día de los Muertos aufgestellt werden.  Eine andere Catrina, die wir auf dem Rückweg gesehen haben- auch schön 🤩 ✨


Palacio de Bellas Artes mit Frescos

Der Palacio bei Nacht von Außen- hier haben wir am Freitag einen Spaziergang hin gemacht

Dieses Gebäude, also der Palacio de Bellas Artes (Palast der schönen Künste), ist das wichtigste Kulturhaus Mexikos. Neben Tanz-, Oper- und Musikvorführungen sind auch die Wandgemälde beeindruckend- die Titel von zwei davon seht ihr in der Überschrift. 

Um ehrlich zu sein, waren sie der Grund, dass wir uns entschieden haben, dieses wirklich monumentale Gebäude zu besichtigen. 

… vor allem eines dieser Gemälde: „El hombre, controlador del universio“ (der Mensch, Herrscher des Universums) von Diego Riviera, dem Mann von Frieda Kahlo.  Das Fresco in seiner vollen Pracht

Dieses Wandgemälde hat tatsächlich auch eine sehr interessante Geschichte. 

Ursprünglich wurde es von den Rockefellers für ihr neu gebautes Rockefeller Center in den USA beauftragt. Diese ultrareiche amerikanische Familie segnete auch Rivieras ersten Entwurf ab, und der Künstler begann in der Lobby des zentralen Wolkenkratzers mit seiner Arbeit.

Das ursprünglich dreiteilige Fresco zeigte zentral einen Mann, der mithilfe einer Maschine sowohl den Mikro- als auch den Makrokosmos kontrolliert- ein Tribut an den wissenschaftlichen Fortschritt. 

Auf der linken Seite des Werkes war die kapitalistische Gesellschaft mitsamt vieler ihrer Probleme- Krieg, Dekadenz, Ungerechtigkeit- abgebildet.  Die zerstörte Jupiter-Statue soll hier übrigens auf die Überwindung dieser Unterdrückung hinweisen. Ganz links mittig ist übrigens Darwin abgebildet, wieder als Anlehnung an den wissenschaftlichen Fortschritt.

Die rechte Seite hingegen zeigt eine kommunistische Gesellschaft.

Ursprünglich unterstützte die Rockefeller Familie diese Idee, den Kontrast zwischen Kommunismus und Kapitalismus darzustellen- bis eine Zeitung sich beklagte, das Werk sei “antikapitalistische Propaganda”

Riviera, seinerseits überzeugter Kommunist, fügte dem Wandgemälde als Konsequenz ein Portrait von Lenin sowie eine sowjetische Parade zum Tag der Arbeiter hinzu- und weigerte sich anschließend, beides wieder zu entfernen. Lenin, hier noch mal in groß

Daraufhin befahl Nelson Rockefeller, damals der Direktor des Rockefeller Zentrums, das Gemälde zu zerstören- und das noch bevor es vollendet war.

Nur mit heimlich aufgenommenen schwarz-weiß-Fotografien rekreierte Riviera das Fresco schließlich in Palacio Bellas Artes.

Das ursprüngliche Werk hieß übrigens, im Gegensatz zur heutigen Version, “Man at the Crossroads”. Zusätzlich zu Lenin fügte Riviera noch Trotsky, Engels und Marx. ... Noch mehr Kommunisten auf der neuen Version des Wandgemädes. Wer zuletztz lacht...


Templo Mayor 

Dieser Tempel, in Nahuatl Hueyi Teocalli (mit Querstrich über dem ersten e und über dem o) war der größte Tempel der Hauptstadt der Mexica (oft “Azteken” genannt) Tenochtitlan. Sie haben diesen Ort damals als “Zentrum des Universums” verehrt. Ein Modell der Tempelanlage zu ihrer Blütezeit

Der Tempel selber wurde von den Mexica sechs mal erweitert, bis er kurz nach Ankunft der Spanier seine größte Ausdehnung erreicht hatte. Die Tempelruinen- da dieses Bild von der Seite, wie ein Querschnitt, aufgenommen wurde, zeigt jede Mauer eine 'Schicht' des Tempels an

Da ein Großteil des Tempels aber anschließend zum Bau der Kathedrale verwendet wurde, stehen heute nur noch Ruinen. Auch diese sind aber sehr beeindruckend- vor allem, weil sie sich total in der Mitte der Stadt befinden, nur wenige Meter vom Regierungspalast, dem Zócalo und der Kathedrale entfernt. Die Ruinen des Templo Mayor vom Museum aus gesehen- und im Hintergrund die Kathedrale

Der Eintritt in die Ruinen und das anschließende Museum ist an Sonntagen für Menschen mit mexikanischer Staatsbürgerschaft oder Residentes Temporales (das sind wir 😇) kostenlos- das haben wir natürlich genutzt.

Der Haupttempel selbst war übrigens zwei Göttern gewidmet: Huitzilopochtli (ich schwöre, es war sehr schwierig, diesen Namen abzutippen), dem Gott des Krieges und Tlaloc, dem Regengott- interessante Prioritäten, muss ich schon zugeben.

Je eine von den kleineren Pyramiden auf dem Haupttempel war einem dieser Götter gewidmet. Ein auf verschiedene Weisen besonderes Fundstück, dessen Entdeckung zur Freilegung der gesamten Ruinen führte

Falls jemand mehr dazu wissen will: hier ein bisschen Story Time: Das Fresco zeigt die Göttin Coyolxauhqui, die Schwester von Huitzilopochtli. Wie vielleicht am abgetrennten Kopf zu erkennen ist, ist sie tot.

Lasst mich ein wenig weiter ausholen: Die Mutter der beiden Geschwister, Coatlicue, hat einen Ball aus Federn gefunden, ihn sich an den Gürtel gehängt und ist dadurch auf mysteriöse Weise schwanger geworden. Coyolxauhqui fand das gar nicht gut und beschloss, ihre Mutter umzubringen.

Das wiederum fand Huitzilopochtli -das Baby im Bauch von Coatlicue- gar nicht gut. Er wurde durch ein Wunder als erwachsener Mann mit Waffen in der Hand geboren, verteidigte seine Mutter und köpfte seine Schwester. Ende der Geschichte.

Die Steinscheibe stellt genau dies dar. Sie wurde Ende des 20. Jhd bei Elektrobauarbeiten gefunden, was den vorher nur vermuteten Standort des Templo Mayor bestätigte und zu seiner Freilegung führte. Ursprünglich war es übrigens farbenfroh in leuchtenden Blau- und Rottönen angemalt, wie eine Rekonstruktion, die im Muesum ausgestellt ist, zeigt.

Leider hatten wir viel zu wenig Zeit, um die acht Themenräume des Museums in Ruhe anzugucken- als Folge davon habe ich jetzt sehr viele Fotos von Infotafeln, die noch gelesen werden müssen auf meinem Handy… 😅 Und ein Foto von Opfergaben- darunter auch Menschenschädel. Diese stammten häufig von Kriegsgefangenen


Kathedrale Sagrario Metropolitano

Definitiv eine der beeindruckendsten Kirchen, in denen ich je war. Sie befindet sich direkt am Zócalo (dem Hauptplatz) und man kann auch sie kostenlos bestaunen- was wir natürlich auch getan haben.  Die Orgel der Kathedrale

... und das Hauptschiff- überall war unglaublich viel Prunk und Ornamente.

… nur jetzt, wo ich weiß, was zerstört wurde um sie zu erbauen, hat diese Schönheit natürlich auch einen bitteren Nachgeschmack.


Noch mehr Diego Riviera und Flashbacks an den Spanischunterricht: der Nationalpalast

Den Regierungssitz des mexikanischen Parlaments kann man nur mit einer geführten Tour besuchen. Wir wollten dies eigentlich Samstag machen, leider waren die Tickets aber schon ausverkauft- also sind wir stattdessen Sonntag wiedergekommen.

Die Tour selbst war wieder kostenlos (🥳) und hat sich eher um die Wandgemälde im Palast gedreht. Wieder von -ihr habt es erraten- Diego Riviera.

Eines zeigte die mexikanische Geschichte in ihrer Gesamtheit vom Leben der indigenen Völker bis zu Rivieras Gegenwart, andere detaillierte Szenen aus dieser Geschichte. Vor allem das letzte Bild hat einen bleibenden Eindruck hinterlassen- weil wir es im Spanisch-Unterricht analysiert hatten 😅. Der hässliche Typ, der dreimal gezeigt wird, ist übrigens Hernan Cortez


Das war´s erst mal zu Mexiko City, ich sollte jetzt echt mal schlafen gehen, es ist hier halb zwölf und ich muss um sechs wieder aufstehen… 😬 😅

Bis bald, hab euch lieb 🫶 ❤️