Oder: über Notfallrucksäcke, das Stadtzentrum und viel zu wenig Arbeit
Montag
Montags wurden wir von zwei mexikanischen Freiwilligen abgeholt, die uns unseren Arbeitsweg gezeigt haben- wir sind also zusammen im Ruta (das ist eine Art von Bussen, die es hier gibt) gefahren.
Dann haben wir -diesmal heißt das: alle Freiwilligen unserer Organisation aus Deutschland- eine Tour durch das CRM (Cruz Roja Mexicana) der Delegación Puebla bekommen- wir haben die also die Krankenwagen, die Schule für Krankenschwestern, das Krankenhaus und so viel mehr gesehen.
Nach einem kurzen Seminar zum Thema Sicherheit (von dem wir leider alle nur sehr wenig verstanden haben, weil der Redner sehr schnell geredet hat) sind wir dann mit den mexikanischen Freiwilligen ins historische Zentrum gegangen.
Die Kirche In Puebla gibt es übrigens sehr viele Kirchen und ein Großteil der Bevölkerung ist katholisch.
Wie man sieht haben wir etwas historisches Sightseeing gemacht. Dannach haben wir versucht, Bargeld abzuheben und klassische Snacks im Oxxo (die mexikanische Version eines Spätkaufes) gekauft- z.B. Takis.
Die Takis. Die mexikanischen Freiwilligen haben behauptet, die seien nicht scharf. Lebenslektion: glaube nie einem Mexikaner, der dir sagt, etwas sein nicht scharf.
Dienstag
Heute war unser erster “richtiger” Arbeitstag. Die ersten zwei Monate werden wir zu dritt in der Abteilung der Katastrophenprävention mithelfen, auch, um unser Spanisch zu verbessern.
Diese Abteilung, in der vor allem freiwillige Stundenten arbeiten, bietet Kurse für verschiedene Bevölkerungsgruppen (häufig an Schulen) an, zu Themen wie Erste Hilfe, Verhalten bei Erdbeben oder Hygiene.
Uns wurde heute eines ihrer Themen erklärt, nämlich, wie man einen Notfallrucksack packt- das ist ein Rucksack, mit dessen Inhalt man im Falle einer Katastrophe einige Tage überleben kann.
Fürs Protokoll: Das bedeutet (keine Garantie auf Vollständigkeit hier, ich krame das gerade aus meinem Gedächtnis) …
- Hygieneartikel wie Zahnpasta, Zahnbürste, Zahnseide und Feuchttücher
- Ein kleines Erste- Hilfe-Set mit Verbänden, Desinfektionsmittel, OP-Maske (vor allem hier, weil eine vulkanische Region) etc.
- Einem kleinen Block und Stiften falls man etwas schreiben muss und da zeichnen Stress abbaut
- Ein Wechsel-T-Shirt und eine kleine Decke
- Eine kleine Flasche Wasser
- Haltbare Lebensmittel für drei Tage: am besten Konserven o.Ä.
- Eine Taschenlampe mit Batterien
- Kopien von wichtigen Dokumenten: Geburtsurkunde, Pass, Nachweis der Wohnug etc. in einer wasserfesten Hülle
Mittwoch
Am Mittwoch hatten wir frei, weil die Mitarbeiter des Katastrophenschutzes beim CRM gerade selber sehr viel zu tun hatten und damit keine Zeit übrig haben, uns einzuarbeiten.
Also hat Eugenio Klara und mich mit nach (San Pedro de) Cholula genommen.
Hier haben wir die Pyramide bestiegen und uns dann mit unserer Gastschwester Grace getroffen.
Klara und ich vor dem Aufstieg zur Pyramide, der direkt hinter uns beginnt.
Mit Grace, also zu viert, waren wir in einem Café und Tacos bzw. Quesadilla essen- alles sehr schöne Erfahrungen und ich bin nachhaltig verzaubert von dem wunderschönen Markt neben der Pyramide- leider konnte ich dort heute nichts kaufen (wir hatten nicht genügend Zeit), aber ich muss unbedingt dorthin zurück!
Danke also für den wunderbaren Tag, Eugenio und Grace :)
Donnerstag
Früh waren wir -nach einer kurzen Joggingrunde von Eugenio und mir- im Waschsaloon und haben dort (endlich!) Wäsche gewaschen.
Danach haben Klara und ich noch einen Spaziergang durch das historische Zentrum gemacht und sind dafür aus Versehen durch eine (wahrscheinlich) nicht so sichere Gegend gelaufen (ja, wir sind früher aus dem Bus ausgestiegen weil wir uns einen Laden angucken wollten. Bitte nicht judgen 😬😅).
Das Zentrum selbst ist aber wunderschön und sicher, wir sind durch das Barrio del Artista spaziert, haben die Lichter als Vorbereitung für den Unabhängigkeitstag bewundert und sind dann in eine Pizzeria gegangen.

Die Lichterketten über den Straßen des Stadtzentrums. Wunderschön, oder?
Und jaja, ich weiß, Pizza ist nicht sehr mexikanisch aber wir haben einfach mal wieder bekanntes Essen gebraucht.
… Leider sind wir in keiner normalen Pizzaria gelandet, sondern in einer Mischung aus Bar und Pizzaria, mit Buffet.
Als wir das rausgefunden haben, war es leider schon zu spät…
Die Pizzaria- wir saßen auf dem Dach, mit wunderschöner Aussicht auf eine Kirche. Die Stimmung war gut, die Pizza... leider weniger.
Freitag
Heute waren wir endlich wieder im CRM- vormittags für ein Seminar, in dem wir sehr viel über das Rote Kreuz gelernt haben, nachmittags in der Katastrophenprävention.
Dort hatten wir leider auch nicht besonders viel zu tun, aber wir konnten helfen, Bilder für eine Präsentation rauszusuchen (Tipp: deaktiviert nie safe-search wenn ihr nach bestimmten Wundentypen sucht. Vertraut mir.) und einige Urkunden auszufüllen.
Das Wochenende
Am Wochenende waren wir zweimal in Cholula- am Samstag sind wir mit den öffentlichen Verkehrmitteln hingefahren. Das war sehr abenteuerlich, da die Busse irgendwie nie dort fahren, wo sie eigentlich fahren sollten oder wir zu blöd sind, die Haltestelle zu finden.
An dieser Stelle noch einmal vielen Dank an alle netten Mexikaner und Mexikanerinnen, die uns weitergeholfen haben! 🫶
Außerdem hat es am Samstag, genau als wir zurückfahren wollten, sehr stark angefangen, zu regnen- natürlich am einzigen Tag, an dem ich keine Regenjacke dabei hatte.
Dieser Regen hat sich auch teilweise gestaut und die Straßen überschwemmt, der Kombi ist also kurze Zeit durch mindestens knietiefes Wasser gefahren!
Das war schon ein krasses Erlebnis, aber anscheinend nicht ungewöhnlich hier.
So sah der Blick aus dem Fenster aus- sorry für das schlechte Foto- aber es war sehr eng im Kombi, außerdem haben mich sowieso alle schon wie einen Touristen angeguckt... Ich hoffe man kann das hohe Wasser trotzdem erkennen 😅
Fazit der Woche
Es war auf jeden Fall eine erlebnisreiche und interessante Woche- so wie es viele Hochpunkte gab, gab es auch einige Tiefs (ich vermisse euch zum Beispiel alle, Leute!).
Besonders fällt mir auf, wie unfair hier Reichtum verteilt zu sein scheint, und wie nahe wirklich ärmlich aussehende Gegenden zu reicheren Vierteln sind- oft muss man nur zwei, drei Straßen weiterlaufen.
Gerade fühlt es sich außerdem durch die wenige Arbeit (selbst wenn wir einmal da sind, dann nur für drei Stunden nachmittags, und wir haben so wenige Aufgaben, dass wir mit den mexikanischen Freiwilligen UNO Extreme spielen) eher wie Ferien als wie ein Freiwilligendienst an.
Das mag vielleicht schön klingen -und ich will mich echt nicht über Freizeit beschweren-, aber ich wollte hier sein, um irgendwie mitzuhelfen. Die kurzen Arbeitszeiten lassen sich mich jedoch eher wie einen blöden deutschen Touristen fühlen, der die Gastfreundschaft der Menschen hier ausnutzt… 😬 (was nicht schön ist, glaubt mir…)
Also, drückt mir die Daumen, dass das in nächster Zeit besser wird und ich mehr zu tun haben werde! (Warum habe ich das Gefühl, diesen Wunsch könnte ich auch bereuen?)
Wir werden sehen, bis dann, hab euch alle lieb und liebe Grüße 🫶 😊