Über acht Monate Wartezeit für die Liebsten

Am Freitag war ich mit den Freiwilligen des Roten Kreuzes bei einem öffentlichen Krankenhaus. 

Anders als ihr vielleicht denkt, ging es diesmal aber tatsächlich nicht um die kranken oder verletzten Personen im Krankenhaus selbst, sondern um ihre Angehörigen. 

Weil die Plätze in solchen Krankenhäusern stark begrenzt sind, warten sie nämlich oft draußen vor dem Tor. 

Aber nicht nur ein paar Minuten oder Stunden. Einige Menschen harren seit Monaten -ununterbrochen!- vor dem Gebäude aus, um ihre Liebsten zu unterstützen. 


So auch eine wirklich beeindruckende Frau, die uns ihre Geschichte erzählt hat. 

Weil mich das sehr berührt hat und ich denke, dass Menschen wie sie so viel mehr Sichtbarkeit und Anerkennung verdient haben, würde ich euch gerne von ihr berichten. 

(Aus Gründen des Datenschutzes werde ich ihren Namen nicht nennen). 


Ihr Mann ist seit anderthalb Monaten im Krankenhaus wegen einer Chemotherapie in Behandlung, er wird insgesamt acht Monate dort bleiben. 

Und sie, seine Frau, und eine von vielen, denen es genau so geht, wartet draußen auf ihn. 

Vierundzwanzig Stunden am Tag. Sieben Tage die Woche. In der überdachten Einfahrt des Krankenhauses. 

Damit er weiter in Behandlung bleiben kann- denn wenn sie, die zu weit weg am anderen Ende der Stadt wohnt, geht, wird auch die Chemotherapie abgebrochen. 

Also bleibt sie. 

Acht Monate in einer Einfahrt. 

Sie gibt zu, dass es schwierig für sie ist, dass sie Angst um ihren Mann hat und jeden Tag betet. In einigen Momenten treten Tränen in ihre Augen, die sie behutsam mit einem Taschentuch wegwischt. 

Aber in einigen Momenten lächelt sie auch oder erzählt uns liebevoll von ihrer Familie und einer bevorstehenden Hochzeit, unglaubliche Zuneigung in ihren Augen. 

Sie wird durchhalten, bleiben, für ihn. 

Acht Monate.

Verglichen mit allem, was sie tut, was sie opfert, um der Person, die sie liebt zu helfen ist unsere Arbeit, Kekse und Kaffee austeilen und zuhören, wirklich minimal. 


Ich hoffe aus ganzem Herzen, dass es ihrem Mann wieder besser gehen wird. 

Und ich hoffe auch, dass wir ihre Wartezeit zumindest ein kleines bisschen angenehmer gestalten konnten- dann war alles den Aufwand definitiv wert. 


„Wir“ war übrigens heute neben dem Roten Kreuz auch Schüler einer naheliegenden Schule, die die Kekse durch Spenden organisiert haben. 

Die Geschichte der Frau habe ich zusammen mit Areli, einer Freiwilligen beim CRM mit abgeschlossenem Psychologiestudium, hören dürfen. 

Danke an dieser Stelle noch mal für ihre Anwesenheit, alleine hätte ich so eine Konversation definitiv nicht führen können- und auch so habe ich leider lange nicht alles verstanden. 

Aber genug, um wirklich tiefen Respekt gegenüber all diesen Menschen zu fühlen.