Über einen Ort mit Schildkröten, Stränden und Aussteigern

Puerto Escondido liegt am Pazifik im Bundesstaat Oaxaca. Obwohl Oaxaca direkt neben dem Bundesstaat Puebla liegt, fährt man doch gute acht Stunden Bus. Willkommen in Puerto Escondido- dieser Schriftzug befindet sich in der Nähre des Busbahnhofes

Die Küstenstadt ist berühmt für ihre (Surf-) Strände, ihre Meeresfrüchte (die ich gekonnt ignoriert habe) sowie die große Menge an internationalen, alternativen Menschen, die alle hier einmal zum Urlaub hingekommen und dann geblieben sind.

Die lange Fahrt hat sich definitiv gelohnt- denn es gab vieles zu sehen in den sechs Tagen, die wir dort verbracht haben. Hier eine kleine Auswahl :)


Biolumineszenz: alle guten Dinge sind drei. Vor allem, wenn man geisterhaftes Leuchten sehen will

In der Lagune Manialtepec, ca. zehn Kilometer nordöstlich von Puerto Escondido, findet sich in dunklen, stillen Nächten ein ganz besonderes Naturphänomen.

Biolumineszenz. Die Lage der Lagune im Verhältnis zu Puerto Escondido selbst- eigentlich wollte ich sie auch noch einmal bei Tag besuchen. Das haben wir leider zeitlich nicht mehr geschafft.

Weil es dieses Phänomen (also, Biolumineszenz, nicht “etwas zeitlich nicht mehr schaffen) nur an zwei Orten in ganz Mexiko auftritt (und es in der Lagune Krokodile gibt, man also vielleicht nicht nachts einfach so ohne Guide schwimmen gehen sollte), haben wir eine Tour gebucht.

Für Freitag.

Am Freitag hat es aber so stark geregnet, dass sie abgesagt und auf den nächsten Tag verschoben wurde.

Am Samstagabend hat es wieder stark geregnet. Wir wurden trotzdem mit einem Van abgeholt, weil uns versichert wurde, dass es bei der Lagune selbst nicht mehr regnet. Anscheinend tat es das doch. Wir sind auf jeden Fall auf dem Weg wieder umgekehrt.

Am Sonntagabend hat es dann endlich geklappt- wir sind mit dem Van zur Lagune gefahren wurden, und von dort aus mit anderen Touristen, einem Guide und einem Boot raus aufs Wasser.

Das erste Beeindruckende war übrigens nicht die Biolumineszenz, sondern der Sternenhimmel. Schon beim Fahren hat man etwas von dem leuchtenden Naturphänomen gesehen- das übrigens nur auftritt, wenn das Wasser bewegt wird. Eigentlich ist es ein Schutzmechanismus der biolumineszenten Algen gegen Fressfeinde. Meine Hand, die ich vom fahrenen Boot aus ins Wasser gesteckt habe- leider sieht man den leuchtenden Streifen dahinter auf dem Foto deutlich schlechter als in der Realität

Weil ich ich bin, der Wikipedia-Artikel etwas falsches erzählt hat und ich in ein kleines Recherche-Rabbithole gefallen bin, gibt es hier übrigens einen kleinen Hintergrundartikel zur Biolumineszenz und dem Unterschied zur Fluoreszenz und Phosphoreszenz. (Wikipedia hat behauptet, letzteres wäre der Fall in der Lagune Manialtepec. Das musste ich überprüfen. Dann habe ich mehr Hintergrundwissen gebraucht. Deswegen das Rabbithole. Wikipedia liegt übrigens FALSCH.)


Die Boulderhalle. Nach dem Fehlschlag in Cholula muss ich die einfach erwähnen

Ja, ich war in Puerto Escondido bouldern. Es war ganz lustig, weil ich nach kurzer Zeit alle Routen, die so ungefähr in meinem Schwierigkeitsgrad liegen, durch hatte. Danach habe ich die Zeit einfach noch genutzt, um etwas mit einen Eigentümer der Halle zu quatschen. So sah die Halle aus- deutlich kleiner als ich das aus Deutschland gewohnt bin, aber dafür komplett selbstgebaut von drei Männern- schon iconic.


Die Strände: Kokospalmen, glasklares Wasser und Strömungen

Wir waren insgesamt an fünf verschiedenen Stränden in unserer Zeit in Puerto Escondido. Das mag vielleicht repetetiv klingen, war es aber nicht- weil jeder Strand tatsächlich sehr individuell war. Glaubt ihr mir nicht? Lasst es mich beweisen 😉

1. Playa Zicatela

Laut einem Infoschild in der Nähe des Wassers der viertbeste Surfstrand der Welt- auch wenn ich tatsächlich in meiner Zeit hier eine sagenhafte Anzahl von drei Surfern gesehen habe.

Fünf Minuten von diesem Strand entfernt haben wir die ersten vier Nächte gewohnt. Baden kann man hier aufgrund der großen Wellen und der Strömung leider nicht, aber der weite Strand ist perfekt, um ausgedehnte Spaziergänge zu machen oder auch nur aufs Wasser zu starren. Eindrücke vom Playa Zicatela- Sonnenuntergang, bei Regen und Wind und ein Stein, den ich cool fand.

Wie gefährlich der Strand wirklich sein kann, macht jedoch diese Statue, die an zwei hier gestorbenen Surfer erinnert, klar. Die Statue- irgendwie fand ich sie schön.

2. Playa Carrizallilo

Vielleicht der schönste Strand bei Puerto Escondido- wenn auch sehr klein. Aber in einer malerischen Bucht, umgeben von saftig grüner Natur. Eine kleine Treppe führt in die Bucht selbst runter, die Szene wirkt wie aus einer Postkarte.

Wir standen wirklich mit offenen Mündern da, als wir diese Aussicht das erste Mal gesehen haben. Seht selbst- wie wunderschön!! 🤩 Die letzte Nacht haben wir in einem Hostel nur einige Minuten von diesem Strand entfernt verbracht. Ich bereue ein bisschen, nur einmal dort gewesen zu sein (Wieder Zeitgründe…).

3. Playa Bacocho

Der Ort der Liberación de Tortugas. Das Schöne an diesem Strand ist, dass er schon etwas außerhalb von Puerto Escondido liegt- also wirklich menschenleer ist, sobald man zwanzig Meter vom Eingang weggeht.

Diesen Strand bin ich auch am letzten Tag langgejoggt, ohne Zweifel war das eins der besten Joggingerlebnisse meines Lebens! Beim Joggen am menschenleeren Ende des Strandes angekommen

4. Playa Coral

Unser Lieblingsstrand zum Baden, da man hier die Wellen am besten (und sichersten) genießen kann. Man erreicht ihn nur, indem man vom Playa Bacocho aus fünf Minuten über Felsen am Meer klettert (oder Geld bezahlt, um durch ein Hotel zu gehen 😅)- aber das (also, ersteres) ist es definitiv wert! … und ich habe vergessen, ein Foto von ihm zu machen. Sorry, Leute 😬 Stellt euch einfach einen schönen Strand vor.

5. Playa Agua Blanca

Dieser Strand ist ca. vierzig Minuten mit dem Motorroller von Puerto Escondido entfernt. Wir sind am Samstag ca. vierzig Minuten mit dem Motorroller dorthin gefahren. Wir haben uns sehr kompetent angestellt. Definitiv. (Keine Details, though 😅 😇) Der Strand- märchenhaft!

Das war übrigens der erste Strand, an dem wir wirklich baden waren. Und zwar genau hier, zwischen diesen Steinen

Als ich kurz davor noch einmal Einheimische gefragt habe, an welcher Stelle man am besten ins Wasser geht, habe ich außerdem etwas sehr cooles sehen dürfen: die Kokosnussernte.

Einer der beiden Männer ist in einer beeindruckenden Geschwindigkeit und mit einer beeindruckenden Leichtigkeit die Palme ohne Hilfsmittel hochgeklettert, hat sich oben mit einem Seil eingebunden, mit einer Machete die Kokosnüsse abgeschlagen und sie an ein Seil gebunden, welches sein Partner dann genutzt hat, um die Früchte sicher nach unten zu transportieren. Die Kokosnussernte- in echt sah es noch viel beeindruckender aus. Vielen Dank, dass ich ein Foto machen durfte :)


Liberación de Tortugas: Über eine kurze Bekanntschaft mit Henriette und Otto 

Von insgesamt sieben Meeresschildkrötenarten sind vier (abhängig von der Jahreszeit) in Puerto Escondido zu finden: 

  • Die Leatherback Sea Turtle, zu deutsch Lederschildkröte: Mit einer Größe von bis zu zwei Metern und einem Gewicht bis 500 kg ist sie die größte lebende Meeresschildkrötenart
  • Die Green Sea Turtle, bei uns grüne Meeresschildkröte: Der Name kommt tatsächlich vom normalerweise grünen Fett unter ihrem Panzer, nicht von der Farbe des Panzers selber. Dieser ist eher (grün-)braun bis schwarz. 
  • Die Hawksbill Sea Turtle, deutsch echte Karettschildkröte: Eine der gefährdetsten Meeresschildkrötenarten, da ihr Panzer am häufigsten für als Material für ornamentale Zwecke genutzt wurde und wird. 
  • Die Olive Ridley Sea Turte, bei uns weniger schmeichelhaft die Oliv-Bastardschildkröte (weil sie früher für einen Mischling aus der grünen Meeresschildkröte und der unechten Karettschildkröte gehalten wurde): Die häufigste Meeresschildkrötenart und auch die einzige, die ganzjährig in Puerto Escondido zu finden ist. 

Von links nach rechts: Modelle der Meeresschildkrötenarten in Puerto Escondido: Lederschildkröte, grüne Meeresschildkröte, echte Karettschildkröte und Oliv-Bastardschildkröte

Warum ich das alles weiß? 

Wir waren Montagabend am Playa Bacocho bei der ‘Liberación de Tortugas’. Dieses Event wird jeden Tag von der NGO Vivemar veranstaltet. Die Freiwilligen dieser Naturschutzorganisation fahren jede Nacht den über zwanzig Kilomenter langen Strand ab, sammeln die die Schildkröteneier und und bringen sie zum geschützten Schlüpfen in einen von vier überdachten und umzäunten Brutstätten (eine von ihnen ist auf dem oberen Bild zu sehen). 

Morgens und abends werden die kleinen Schildkröten dann ungefähr zehn Meter vom Meer entfernt in den Sand gesetzt und machen sich auf ihren Weg zum Wasser, während die Freiwilligen mit Sand werfen und pfeifen, um die Möwen in Schach zu halten.  Abends dürfen Gäste gegen ein kleines Entgelt (das hundertprozentig in die Arbeit der NGO fließt) an dieser ‘Liberación de Tortugas’ teilnehmen. 

Das war genau das, was wir getan haben.  Der Treffpunkt zur Liberación de Tortugas

Nach einer kurzen Wartezeit (im Regen, leider) und einen Vortrag über die Schildkrötenarten (die englische Version, nicht die Spanische, wie ich leider zugeben muss, daher oben auch die englischen Schildkrötennnamen) haben wir dann jeder eine kleine Schale (aus einer Kokosnuss hergestellt und beeindruckend ornamental verziert) in die Hand gedrückt bekommen. 

In diese Schale wurde kurz darauf eine Babyschildkröte gesetzt, die wir dann vorsichtig in den Sand gesetzt haben.  Also: trefft Henriette- die süßeste Olive Ridley Meeresschildkröte auf der ganzen Welt ❤️ Jaja, schon gut, ich habe zu viele Fotos von dieser Schildkröte. Ich habe mich schon hier begrenzt...

Anschließend haben wir zugesehen, wie die kleinen Meeresschildkröten ihren Weg zum Meer angetreten haben. 

Falls ihr euch übrigens (genau wie ich) immer vorgestellt habt, dass die Schildkröten richtig lossprinten um zum Wasser zu gelangt liegt ihr falsch.  Die Tiere haben es, zumindest nach menschlichem Standard, sehr gemütlich angehen lassen… Durch das Engagement und die Wurfkünste der Freiwilligen von Vivemar ist auf dem Weg zum Wasser zum Glück keine Schildkröte von den kreischenden, über unseren Köpfen kreisenden Möwen gefressen wurden- im Wasser leider schon.  Die Babyschildkröten (= größere schwarze Flecken) auf ihrem Weg zum Meer

Die NGO selbst schätzt übrigens, dass durch ihre Arbeit statt 8 bis 10 %  20 bis 25 % der Schildkröten bis zum Erwachsenenalter überleben- hoffentlich sind Henriette und Otto zwei von ihnen. 


Das war’s erst mal zu Puerto Escondido, ohne Frage war das ein wunderbarer Urlaub, aber ich bin auch froh, wieder in Puebla zu sein.

… Hier ist es nicht so schwül-warm. Es ist hier also tatsächlich Möglich, sich nicht die ganze Zeit extremst verschwitzt und eklig zu fühlen. Yay :)

Liebe Grüße, hab euch alle lieb und bis bald ❤️ 🫶